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Meudalismus
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Wenn das Geld fließt wie der Nil in der Wüste

(Die Nilwirtschaft)

Teil 1: Das Problem

(2002)

von
Harald Wozniewski

Rapsong
“Wenn das Geld fließt wie der Nil”
von TheSaw & Koohly (2008)

 
(Die Daten, die den Diagrammen dieses Aufsatzes zu Grunde liegen, finden Sie in der Excel-Datei http://www.meudalismus.dr-wo.de/nil.xls )

Geld, gleich ob Bargeld oder Giralgeld (Bankgeld, Buchgeld), ist das Lebenselixier einer jeden neuzeitlichen Volkswirtschaft. Es ist in erster Linie Zahlungsmittel (Gegenleistung) für den Güteraustausch. Fließt der Strom von Gütern (Waren, Dienste usw.) in die eine Richtung, so fließt der Geldstrom in entgegengesetzter Richtung. Lahmt die Konjunktur, so ist das gleichbedeutend mit einem schwachen Güterstrom und einem schwachen Geldumlauf.

Es wird heute (2002), wo wir in Deutschland wieder eine Konjunkturflaute haben, viel darüber diskutiert, was die Ursache dafür ist und wie man sie überwinden kann. Nach der Euphorie und dem Optimismus noch vor zwei Jahren herrscht aber überwiegend Ratlosigkeit. (Anmerkung September 2005: Die Ratlosigkeit herrscht immer noch! Die Profiteure des bestehenden Systems haben natürlich kein Interesse an Veränderungen und so verbreiten sie massenweise Fehlinformationen.)

Verschiedentlich wird behauptet, die Bevölkerung sei verunsichert und würde deshalb zu sehr sparen. Sparen? Nein, die überwiegende Bevölkerung spart nicht. Sie hat sich vielmehr schon so sehr in Schulden gestürzt (Konsumentendarlehen, Abzahlungskredite, Ratenkauf, Hypothekendarlehen usw.), dass sie gar nicht mehr Ausgaben verkraften kann (vgl. nur [Fakten/Kaufkraft] “Geld, Kaufkraft und die Einkommensverteilung”). Die Ursache für die immer heftiger werdenden Konjunktureinbrüche liegt woanders.

1. Die Situation heute

Sehen wir uns einmal eine idealisierte Volkswirtschaft etwas näher an und beobachten ein tatsächliches Phänomen und dessen Folgen:

Die folgenden Diagramme zeigen eine Volkswirtschaft mit 100 Marktteilnehmern (X-Achse) und einer Geldmenge (Y-Achse) von konstant 100. Da es hier um das Wohl der Menschen geht, sind hier Markteilnehmer nur natürliche Personen. Juristische Personen, egal ob öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche, sind hier ausgeblendet. Jedes Diagramm zeigt die Verteilung des Geldes unter den Marktteilnehmern zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Diagramm 1.1

In Diagramm 1.1 zum Zeitpunkt 1 herrscht eine völlig idealisierte Geldverteilung: Jeder Marktteilnehmer besitzt die Geldmenge 1. (Anmerkung: Welchem aktuellen Betrag in Euro diese Geldmenge 1 in Deutschland entspricht erfahren Sie siehe in [Fakten/Kaufkraft] “Geld, Kaufkraft und die Einkommensverteilung” oder - auf Haushalte bezogen - im Kasten oben rechts.) Die Marktteilnehmer stehen hier quasi nebeneinander, und die Höhe des blauen Bereichs über jedem Marktteilnehmer zeigt sein Geld. Eine Zeitachse ist hier nicht zu sehen. Sie können sich die Zeitachse als Z-Achse vorstellen, also so, als würde die Zeit nach hinten in das Diagramm verlaufen (breiter Pfeil). Sie sehen hier also zugleich den Querschnitt eines Geldflusses.

Die Reihenfolge, in der die Marktteilnehmer hier nebeneinander stehen, ist nicht beliebig. Das Nebeneinander bzw. die Entfernung des einen zum anderen kennzeichnet sehr vereinfacht die wirtschaftliche (oder soziale) Verflochtenheit. Denn eine Konjunktur kann man sich hier nun so vorstellen, dass ein Marktteilnehmer von einem anderen eine Ware bezieht und ihm im Gegenzug etwas von seinem Geld bezahlt. Je näher sich die Marktteilnehmer sind, desto leichter geschieht dieses Geschäft. Damit ist sehr vereinfacht zum Ausdruck gebracht, dass nicht jeder die Ware eines jeden beziehen kann oder will. Jeder bezieht in diesem übertragenen Sinn Waren hauptsächlich aus seiner “Nachbarschaft”. Geschäfte mit entfernten Marktteilnehmern geschehen nur selten oder nie. Geld wandert also überwiegend so, wie es die nach links und rechts gekrümmten Pfeile zeigen, aber: der Beginn der Pfeile liegt im Zeitpunkt 1, die Pfeilspitze liegt jedoch bereits in der Zukunft, im Zeitpunkt 2. Diese Pfeile muss man sich nun für alle Marktteilnehmer vorstellen, so dass es von Zeitpunkt 1 zu Zeitpunkt 2 allenorts zu Verschiebungen des Geldes kommt. Es gibt natürlich auch den Pfeil, der wieder auf demselben Marktteilnehmer landet, von dem er abgeht: er hat das Geld also behalten (“gespart”).

Die Ausgangssituationen und die Möglichkeiten sind naturgemäß nicht für alle Marktteilnehmer gleich (Selbst die seit den 1960er-Jahren propagierte Bildungspolitik schafft keine gleichen Chancen für die Menschen: [Irrwege/Bildung] “Das blinde und grenzenlose Verlangen der ‘Gebildeten’ nach mehr Bildung der ‘Ungebildeten’ ist UNSOZIAL!”). Im Diagramm sammeln sich die Marktteilnehmer mit höheren Einkommen rechts und jene mit geringeren Einkommen links.

Diagramm 1.2

Diagramm 1.2 zeigt die Geldverteilung bereits im Zeitpunkt 20. Die Geldmenge (gelbe Fläche) ist, wie gesagt, konstant 100 (die gelbe Fläche ist so groß wie die blaue Fläche von Diagramm 1.1).

Die Einkommensunterschiede resultieren nicht - wie meistens geglaubt wird - aus unterschiedlichen Bezahlungen für persönlich geleistete Arbeit. Die wesentlichen Einkommensunterschiede entstehen durch Kapitaleinkünfte. Näheres dazu unter

Im Laufe der Zeit (Jahrzehnte) verändert sich der Querschnitt des Geldflusses immer weiter:

Diagramm 1.3

Diagramm 1.4

Diagramm 1.5

Diagramm 1.6

Die Geldmenge dieser Volkswirtschaft in Diagramm 1.6 ist immer noch 100. Bei den Marktteilnehmern links ist das verfügbare Geld auf 0,01 Geldeinheiten gesunken. (Anmerkung Juni 2005: Bezogen auf die oben angeführte durchschnittliche Geldmenge im März 2005 entspricht diese Geldmenge 1 in Deutschland etwa 80 € pro Person oder etwa 170 € pro Haushalt.) Zwangsläufig findet hier auch keine nennenswerte Konjunktur mehr statt. Die Geldmenge des Marktteilnehmers Nr. 100 hat 11,15 Geldeinheiten erreicht. (Anmerkung Juni 2005: Bezogen auf die oben angeführte durchschnittliche Geldmenge im März 2005 entspricht diese Geldmenge 1 in Deutschland etwa 89.237 € pro Person oder etwa 189.269 € pro Haushalt.) Überträgt man dieses Verhältnis auf Einkommen in Euro, so erhält man bald realistische (aber immer noch untertriebene) Verhältnisse:

    0,01 / 11,15 = 10.000 Euro/Jahr / 11.150.000 Euro/Jahr.

Hier noch einmal alle Geldverteilungen zusammen:

Diagramm 1.7

Wenn wir das Diagramm 1.6 umdrehen und am rechten Rand spiegeln, erhalten wir ein sehr anschauliches Bild von der Situation unserer Volkswirtschaft heute:

Diagramm 1.8 - Der Nil in der Wüste (Querschnitt) -


Es herrscht ein tiefer und mächtiger Geldfluss, an dem aber nur wenige Menschen partizipieren. Die meisten Menschen sitzen regelrecht auf dem Trockenen in der Wüste, die Konjunktur liegt am Boden.

Die Berechnungen der Diagramme sind sehr simpel, aber im Kern absolut realistisch:

Diagramm 1.9

Diagramm 1.9 zeigt einen Längsschnitt zu den Querschnitten 1.1 bis 1.7; die Veränderungen der Geldmengen bei den 100 Marktteilnehmern (farbige Linien) entlang der Zeitpunkte von 1 bis 100 (X-Achse). Der höchste Zuwachs (des Marktteilnehmers Nr. 100) liegt bei rund 0,1 Geldeinheiten pro Periode.

2. Die Konjunkturbremse - der Meudaleffekt

Es mag überraschen, dass sich durch die Einkommenskonzentration bei den Superreichen die Konjunktur abschwächt, obwohl doch die Geldmenge in der Volkswirtschaft konstant bei 100 liegt. Die Erklärung ist jedoch sehr einfach.

Sie, verehrter Leser, gehören zu den Menschen in Deutschland mit einem Einkommen von unter 100.000 Euro jährlich?!? Okay, dann fragen Sie sich einmal: Wenn Sie Anfang diesen Jahres zu dem Einkommen, das Sie tatsächlich hatten, zusätzlich 1.000 Euro zur Verfügung gehabt hätten: Wie lange hätten Sie gebraucht, um diese 1.000 Euro auszugeben? Wahrscheinlich liegt Ihre Antwort, wie bei allen, die ich persönlich gefragt habe, bei einer Stunde bis einer Woche.

Wenn Sie also diese zusätzlichen 1.000 Euro nach einer Woche ausgegeben hätten, dann hätte ja irgend jemand eine Woche nach Jahresanfang 1.000 Euro zusätzlich verdient (oder mehrere hätten Teile Ihre 1.000 Euro zusätzlich verdient). Derjenige hätte vermutlich auch nur eine Woche gebraucht, um dieses Geld wieder auszugeben usw. usf. So würden Ihre zusätzlichen 1.000 Euro das Bruttosozialprodukt binnen einen Jahres um rund 53.000 Euro erhöhen.

Ganz anders verhält es sich mit dem Einkommen der (Super-)Reichen unseres Landes. Die haben Einkommen, nicht Vermögen (!), von 100 Millionen Euro jährlich und mehr, z. B. aus Dividenden, anderen Unternehmensgewinnen, Mieten, Anleihen und Darlehen. Diese Leute haben ihr liebe Not, binnen einen Jahres überhaupt nur 1 Million Euro auszugeben. Die kaufen trotz ihres hohen Einkommens auch nur ein paar Brötchen in der Woche, und nicht Zigtausende. Die geben den größten Teil des Geldes natürlich für neue Unternehmensanteile (Aktien usw.) oder andere Gewinn Versprechende Objekte aus. Insgesamt liegt aber die Umschlaghäufigkeit des Geldes, das sie jährlich beziehen, kaum höher als eins, d. h. das Geld braucht rund ein Jahr, um einmal umgesetzt zu werden. Die oben gezeigte Vielfachwirkung des Geldes für die Konjunktur fehlt bei diesen hohen Einkommen. Hinzu kommt, dass das Geld oft nur von einem Superreichen zum nächsten Superreichen gelangt, nicht aber in die breite Volkswirtschaft (Beispiele: Die Ersteigerung eines kostbaren Gemäldes oder der Kauf einer Luxusjacht).

(Anmerkung Juni 2005: Zum Meudaleffekt siehe auch [Modelle/Reich ./. Arm] “Einsamer Reichtum basiert auf der Verarmung der Bevölkerung”.)

Sie sehen, der Reichtum von Wenigen schädigt sogar die Anderen.

3. Exkurs:

“Ja, aber ich kenne kaum jemand, der in den letzten Jahren weniger Geld verdient hat als früher.” (Mai 2006)

Die Wirklichkeit ist natürlich etwas komplizierter als dieses Nilmodell hier. In dem Modell hier gehen wir ja über die gesamte Laufzeit von einer konstanten Geldmenge (100) aus. In der Realität der Bundesrepublik Deutschland (wie auch in anderen Ländern) steigt aber die Geldmenge ständig. In Deutschland steigt die sog. Geldmenge M1 - das sind vereinfacht gesagt die Guthaben auf den Girokonten und das im Umlauf befindliche Bargeld - seit den 1960er Jahren im Durchschnitt um mehr als 8% jährlich (siehe [Fakten/Einkommen] “Die Einkommensentwicklung steht Kopf”). Auf unser Nilmodell übertragen müssen wir uns das etwa so vorstellen:

 

Links ohne Geldmengenwachstum

Rechts mit Geldmengenwachstum

(Anmerkung 2009: Graphisch besser und als Excel-Modell verfügbar jetzt in [Fakten/Bankenkrise] “Die amerikanische Bankenkrise und die weltweite Finanzkrise” 3.1)

Die Geldmenge wurde hier in der rechten Spalte so erhöht, dass die “breite Bevölkerung” (also die Marktteilnehmer links) nicht den Eindruck bekommt, immer weniger Geld zur Verfügung zu haben. Nominell wächst das diesen Leuten zur Verfügung stehende Geld jährlich vielleicht sogar um 1%. (Dieser Effekt ergibt sich indirekt aus der Aufgabe der Zentralbank - früher Deutsch Bundesbank, jetzt Europäische Zentralbank - für Geldwertstabilität zu sorgen, wobei sie sich am Lebenshaltungsindex orientiert.)

Aber in Relation zu der in der gesamten Volkswirtschaft vorhandenen Kaufkraft ist die “breite Bevölkerung” in der rechten Spalte genauso benachteiligt wie jene in der linken Spalte. Die Geldmengenerhöhung verschleiert diese Entwicklung äußerst effektiv!

Erst am Ende der Entwicklung (blaues Diagramm) wird es der “breiten Bevölkerung” bewusst, dass “das Geld nicht mehr reicht”. Denn nun nähert sich der “Wasserstand” dem Nullpunkt; plötzlich ist “kein Geld mehr da”. Auf die Realität übertragen: Massenarbeitslosigkeit, Masseninsolvenzen, Massenarmut auf der einen Seite - gigantische Einkommen und gigantischer Reichtum bei Wenigen.

Zum Teil 2, Die Lösung
(Erst öffnen, wenn Sie sich selbst eine Lösung überlegt haben!)
 

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