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Meudalismus
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Zinsbeschränkung durch “umlaufgesichertes” Geld?

Betrifft Silvio Gesell, Bernd Senf und Helmut Creutz, Komplementärwährungen, umlaufgesichertes Geld, Freigeld, Neutralgeld, Schwundgeld usw.

(2003 - 2007, 2013)

von
Harald Wozniewski



1. Aus einem E-Mail vom 20.10.2003

Lieber Herr ...,  

ich musste gerade noch einmal an unser Gespräch heute Abend denken und daran, dass Sie meinten, der Zins sei der Hauptfaktor dabei, dass Reichtum so schnell wachse (vielleicht habe ich es jetzt auch nicht mehr 100%ig in Erinnerung).  

Das hat mich auf die Idee gebracht, einmal nachzurechnen, welchen Zinssatz die Brüder Albrecht hätten erzielen müssen, um nach (unterstellt) 50 Jahren aus anfangs (unterstellt) 1.000.000 Euro Vermögen am Ende (Anno 2002) 27,2 Mrd. Euro Vermögen “zu machen”. Dabei wäre freilich alles Vermögen von Anfang an in Darlehen geflossen. Mit einem (für Kapitalanleger sehr guten) Zinssatz von 8% p. a. wären die Brüder nach 50 Jahren nur bei 46.901.613 Euro gelandet (1. Rechnung). Das Ziel von 27,2 Mrd. Euro hätten sie nur bei einem Zinssatz von etwa 22,66% p. a. erreicht (2. Rechnung). S. Tabelle (mit Excel berechnet).    

Theo Albrecht

14.600.000.000

 

 

Karl Albrecht

12.600.000.000

 

 

Summe

27.200.000.000

 

 

 

1. Rechnung

 

2. Rechnung

 

 

Kapital

Zins

Kapital

Zins

 

 

8,00%

 

22,66%

Anfang

1.000.000

80.000

1.000.000

226.567

Ende 1. Jahr

1.080.000

86.400

1.226.567

277.900

2.

1.166.400

93.312

1.504.467

340.863

3.

1.259.712

100.777

1.845.330

418.092

4.

1.360.489

108.839

2.263.422

512.817

5.

1.469.328

117.546

2.776.239

629.005

6.

1.586.874

126.950

3.405.244

771.517

7.

1.713.824

137.106

4.176.761

946.317

8.

1.850.930

148.074

5.123.079

1.160.722

9.

1.999.005

159.920

6.283.801

1.423.704

10.

2.158.925

172.714

7.707.504

1.746.268

11.

2.331.639

186.531

9.453.773

2.141.916

12.

2.518.170

201.454

11.595.688

2.627.204

13.

2.719.624

217.570

14.222.892

3.222.442

14.

2.937.194

234.975

17.445.334

3.952.542

15.

3.172.169

253.774

21.397.876

4.848.059

16.

3.425.943

274.075

26.245.935

5.946.470

17.

3.700.018

296.001

32.192.405

7.293.746

18.

3.996.019

319.682

39.486.151

8.946.270

19.

4.315.701

345.256

48.432.422

10.973.202

20.

4.660.957

372.877

59.405.624

13.459.371

21.

5.033.834

402.707

72.864.995

16.508.824

22.

5.436.540

434.923

89.373.819

20.249.184

23.

5.871.464

469.717

109.623.003

24.836.987

24.

6.341.181

507.294

134.459.990

30.464.235

25.

6.848.475

547.878

164.924.225

37.366.434

26.

7.396.353

591.708

202.290.659

45.832.446

27.

7.988.061

639.045

248.123.106

56.216.579

28.

8.627.106

690.169

304.339.685

68.953.417

29.

9.317.275

745.382

373.293.102

84.576.006

30.

10.062.657

805.013

457.869.107

103.738.162

31.

10.867.669

869.414

561.607.269

127.241.836

32.

11.737.083

938.967

688.849.105

156.070.674

33.

12.676.050

1.014.084

844.919.779

191.431.183

34.

13.690.134

1.095.211

1.036.350.962

234.803.227

35.

14.785.344

1.182.828

1.271.154.189

288.001.957

36.

15.968.172

1.277.454

1.559.156.146

353.253.780

37.

17.245.626

1.379.650

1.912.409.925

433.289.530

38.

18.625.276

1.490.022

2.345.699.456

531.458.764

39.

20.115.298

1.609.224

2.877.158.220

651.869.935

40.

21.724.521

1.737.962

3.529.028.155

799.562.338

41.

23.462.483

1.876.999

4.328.590.494

980.717.009

42.

25.339.482

2.027.159

5.309.307.503

1.202.915.402

43.

27.366.640

2.189.331

6.512.222.905

1.475.456.683

44.

29.555.972

2.364.478

7.987.679.588

1.809.746.902

45.

31.920.449

2.553.636

9.797.426.489

2.219.776.349

46.

34.474.085

2.757.927

12.017.202.839

2.722.705.057

47.

37.232.012

2.978.561

14.739.907.896

3.339.580.958

48.

40.210.573

3.216.846

18.079.488.854

4.096.220.759

49.

43.427.419

3.474.194

22.175.709.613

5.024.290.387

50.

46.901.613

 

27.200.000.000

 

Sie haben natürlich Recht damit, dass Schulden und Zinsen eine gewisse Rolle bei der Verarmung der Massen bzw. bei der “Verreichung” der Wenigen spielen.

Ich behaupte ja auch nur, dass außer Geld (Darlehen -> Zinsen) auch Grundvermögen (-> Mieten) und Unternehmensvermögen (-> Gewinne) zu maßlosem Reichtum bei den Besitzenden (und zur Verarmung der Besitzlosen) führen. Die Albrechts hatten tatsächlich bestimmt zu keinem Zeitpunkt Geldbeträge in der oben vorgestellten Größenordnung zur Verfügung oder als Darlehen ausgereicht; ihr Vermögen bestand sicher zu allen Zeiten fast ausschließlich aus Unternehmensvermögen.  

Wenn jemand mit Unternehmensvermögen jährlich 23% Rendite erzielt, dann fällt das keinem übel auf. Wenn aber jemand 23% Zinsen verlangt, wird sein Kredit von den Gerichten wegen Wuchers für nichtig erklärt und der Staatsanwalt klopft an. Das ist ein wichtiger Unterschied für unsere Diskussionen über die Bedeutung des Zinses oder des Vermögens bzw. über Zins- oder Vermögensbeschränkung.  

Liebe Grüße  
Harald Wozniewski



2. Ergänzung vom 26. Juni 2005

Die Studie [Modelle/Arm ./. Reich] “Einsamer Reichtum basiert auf der Verarmung der Bevölkerung” hat deutlich gemacht, dass (im Falle eines Überangebots auf der Güterseite) durch das Erreichen der Kreditlinie bei den Marktteilnehmern ein Konjunkturrückgang verursacht wird. Sie hat außerdem deutlich gemacht, dass das Kreditwesen diesen Prozess nicht verhindern, sondern allenfalls verzögern kann.

Wenn nun die Kritiker der Geldwirtschaft und des Zinswesens (in Ansätzen also auch die Anhänger der so genannten “Freiwirtschaft”) danach streben, den Zins aus der Kreditwirtschaft zu verdammen (wohlgemerkt ohne die Kreditvergabe selbst beseitigen zu wollen), dann läuft dies auf Seiten der Darlehensnehmer schlicht auf eine Verstärkung der Kreditaufnahme hinaus.

Die Kreditgeber werden nach anderen Wegen suchen, um sich ihre Dienste vergüten zu lassen. Der Autohandel ist in den letzten Jahren diesbezüglich “vorbildlich”, wenn er den Neuwagenverkauf mit zinslosen oder nahezu zinslosen Krediten zu fördern versucht. Auch die staatlichen Zentralbanken, allen voran seit vielen Jahren die japanische Notenbank, versuchen mit niedrigen Zinsen die Kreditaufnahme zu fördern in der Hoffnung, damit die Volkswirtschaft zu beleben.

Die Folge zinsgünstiger oder zinsloser Kredite ist, dass Menschen, die mehr ausgeben wollen als sie einnehmen (vgl. Einsamer Reichtum ...) und damit auf Kredit angewiesen sind, noch schneller an ihre Kreditlinie geraten und damit noch schneller in der Verschuldung ankommen. Die Konjunktur wird aber im Endeffekt ebenso zum Erliegen kommen. Es ist nach alledem sogar die Behauptung gerechtfertigt, dass Zinsen - tendenziell - die Menschen von der Kreditaufnahme abhalten.

Zinsen bzw. die Steuerung der Zinshöhe sind für die Bundesbank und die Europäische Zentralbank DAS Mittel, um für Preisstabilität zu sorgen!
http://www.ecb.int/pub/pdf/other/geldpolitik2004de.pdf  und
http://www.ecb.int/pub/pdf/other/gendoc2006de.pdf



3. Aus einem E-Mail vom 3.11.2006

Sehr geehrter Herr ...,

Ihre Schrift “Zukunftskonzept Natürliche Ökonomie” http://www.meudalismus.dr-wo.de/zukunftskonzept_natuerliche_oekonomie.pdf habe ich gelesen.  

In der Einleitung wird betont, dass es nicht um “Umverteilung” gehe. “Die Reichen bleiben reich und die bisher Armen erlangen Wohlstand.” Meine Schriften zu diesem Thema www.dr-wo.de/wirtschaftspolitik = www.dr-wo.de/schriften/index1.htm, insbesondere http://www.dr-wo.de/schriften/vwl/index.htm und http://www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/feudalismus.htm zeigen, dass Reichtum von wenigen unabdingbar mit der Verarmung der breiten Bevölkerung verbunden ist. Nicht nur sprachlich gesehen sind arm und reich relative Begriffe. Auch ökonomisch gesehen gibt es für arm und reich keine absoluten Maßstäbe. Ich halte es daher für völlig illusorisch, die Armut in einem Land oder in der Welt bekämpfen zu wollen, wenn man den Reichtum nicht in Schranken ( http://www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/feudalismus.htm ) verweisen will.

Unter “Das Naturgesetz von Werden und Vergehen” öffnen sie die Tür zu einer philosophischen Betrachtung, die ich mit dem Begriff Determinismus benennen will. Der Mensch steht nicht außerhalb der Natur, sondern er ist ein Teil der Natur. Alles in ihr folgt unabänderlich den Naturgesetzen. Selbst wenn das Denken und Handeln, ihr auch das (psychische) Erlebnis der “Freiheit” vollzieht sich nach Naturgesetzen. Daher ist alles, was Gegenwart und Vergangenheit im menschlichen Dasein hervorgebracht haben, nicht nur mit den Naturgesetzen vereinbar, sondern unmittelbarer Ausfluss derselben. Das schließt unsere gegenwärtige Ökonomie mit ein, auch Ihre in Ihrer Schrift genannten These, dass dem nicht so sei.  

Die Behauptung, durch Zins und Zinseszins würden Guthaben und Schulden expotentiell wachsen, ist zwar nicht gänzlich falsch, aber auch nicht “den Nagel auf den Kopf getroffen”. Das expotentielle Wachsen von Schulden und Guthaben passiert auch völlig ohne Zinsen, wie ich in http://www.dr-wo.de/schriften/vwl/index.htm nachweise. Zinsen leisten, da es sie ja tatsächlich gibt, zu diesem Wachstum nur einen kleinen Beitrag (vergleiche nur http://www.dr-wo.de/schriften/zins/index.htm [oben]).  

Bei der Darstellung Ihrer Lebensgeld-Schöpfung ist unklar, wer dieses Geld schöpft und zuteilt. Ich nehme an, dass das dem Staat überlassen werden soll. Auf S. 5 sprechen Sie von Guthaben, die auf “Konten” liegen, aber auch von der Möglichkeit Kredite zu vergeben. Nach heutigem Verständnis sind konnten ein Verzeichnis, das ein Guthaben des Gläubigers und gleichzeitig eine Zahlungsverbindlichkeit des Schuldners ausweist. Zwar werden Kontokorrentkonten der Kreditinstitute als Einlagengeschäft verstanden. Im weiteren Sinne sind es jedoch Kredite. Daher stellt sich die Frage, wie Sie für die “Vergänglichkeitsabgabe” die Kreditkonten von den Kreditkonten oder überhaupt von Darlehensverbindlichkeiten unterscheiden wollen. Sie betreten hier ein Gebiet des Geldwesens, das immerzu Abgrenzungsschwierigkeiten führt. Diese Abgrenzungsschwierigkeiten öffnen wiederum Tür und Tor dafür, dass in der Praxis die “Vergänglichkeitsabgabe” umgangen werden kann und umgangen werden wird - vor allem von den wirtschaftlich Starken.  

Ihre These S. 6 oben, das Geld fließe dorthin, wo es gebraucht wird, halte ich für ebenso illusionär wie die Möglichkeit einer effektiven “Vergänglichkeitsabgabe”. Wenn Sie möchten, nehmen Sie einmal mein Modell aus der ersten Excel-Tabelle in http://www.dr-wo.de/schriften/vwl/index.htm zur Hand und versuchen Sie mit Hilfe der von Ihnen ersonnenen Regelung eine dauerhaft stabile Geldwirtschaft zu bauen.  

Ich möchte hiermit meiner Kritik enden. Weitere Kritikpunkte würden die Aufmerksamkeit von den genannten, wichtigeren Punkten nur ablenken.

Mit freundlichen Grüßen 

...



4. E-Mail an Helmut Creutz vom 28.3.2007 (leider noch ohne Antwort)

    Subject: Sandberg und “Geldhalte-” oder “Geldnutzungsgebühren”


    Lieber Herr Creutz,
     
    Sie haben meinem Mitstreiter bei ..., Herrn ..., geschrieben, Ihr Ziel würde sich darin von meinem unterscheiden, dass ich den Sandberg nachträglich herunterdrücken will, während Sie versuchten, seine Entstehung bzw. sein Weiterwachsen zu bremsen.
     
    Vielleicht unterscheiden Sie und ich uns noch viel weniger, als uns bewusst ist. Denn, dass der Sandberg am Weiterwachsen gehindert wird, ist für mich ebenso wie für Sie das allerwichtigste Ziel. Eine Gesundung der Volkswirtschaft würde sich - so die Begründung für mein sekundäres Ziel - beschleunigen, wenn der Sandhaufen heruntergedrückt würde. http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/meudalismus.htm#6.8
     
    Mir ist allerdings immer noch nicht klar, wie Ihrer Idee nach das genannte Ziel erreicht werden könnte (Durch Veränderungen im Geldsystem? Durch welche? http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/ http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/kap31.htm#415 ?).
    Eine Geldumlaufsicherung durch künstliche Inflation (wie sollte das überhaupt gehen?) lehnen Sie zu Recht ab ( http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/fragen-der-freiheit/heft234/19-38.htm ).
    Sie führen zwar http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/kap31.htm#420 als Löungsziel an, meinen dann aber in http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/kap31.htm#421 die Lösung des (auf meiner Sicht unlösbaren) Problems an die Juristen abgeben zu können.
    In http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/creutz/geldsyndrom/kap31.htm#422 machen Sie dann auch schon wieder einen kleinen Rückzug. Wenn Sie „Geldhalte-“ oder „Geldnutzungsgebühren“ auf Sichteinlagen eingeführt haben wollen (aaO), aber gleichzeitig Zinsen auf Sparguthaben bestehen lassen (also dort keine „Geldhalte-“ oder „Geldnutzungsgebühren“ einführen), dann hätten wir Ruck Zuck ein System von Abreden zwischen Banken und Kunden, wonach jedes Girokontoguthaben sofort in Sparguthaben umgebucht wird. M1 würde im Extrem auf die Summe des umlaufenden Bargeldes sinken. Eine „Geldhalte-“ oder „Geldnutzungsgebühren“ hätte keine Wirkung außer der, dass M1 sinkt und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes sich - rechnerisch - erhöht, während sich an der Kaufkraft der breiten Bevölkerung nichts verändert, sie sinkt wie eh und je weiter!
     
    Ich bin ohnehin der Meinung, dass weder die Zinsen noch der krankhafte Geldumlauf (= Anhäufung von Geld) die Vermögenskumulation entscheidend verursachen. Dies geschieht vor allem durch die Konzentration von Unternehmenseigentum, wie meine Vergleichsrechnung http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/zinskritik.htm#1 zeigen soll. Wie ich in http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/geldberge.htm beschreiben zu zu dokumentieren beginne, ist die Geldanhäufung ohnehin nicht beabsichtigt. Gerne würden die 10.000 (Geld)Reichen genau das tun, was Sie fordern: Nämlich ihr heute eingenommenes Geld schnellstens ausgeben. Aber das, was die mit ihren Milliarden Euro kaufen würden gibt es halt nur sehr wenig und selten: gewinnbringende Unternehmen, um demnächst noch mehr Geld einzunehmen. Ich nenne das den “Meudaleffekt” ( http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/nil.htm#2 und http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/konjunktur.htm ).
     
    Nehmen Sie sich einmal das Modell unter http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/reichtum.htm zu Hand! Daran ist m. E. sehr gut zu erkennen, wie und wodurch die Geldberge entstehen. Wir brauchen eine gesetzliche Begrenzung von inländischem Gewinn bringendem Vermögen bei natürlichen Personen.
     
    Viele Grüße
     
    Harald Wozniewski
    ...



5. Mein Fazit:
Finger weg vom “umlaufgesicherten Geld”!

Bei manchen dieser Veranstaltungen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dort gutgläubige Menschen abgezockt werden. Denn wer kassiert denn Euro gegen “Alternativwährung” und wer veranlasst die Entwertung!



6. Mehr zu Gesell:

7. “Der Zins steckt in den Preisen” (Ergänzung 2013)

Der erste Denkfehler der Zinskritik ist, nicht zu erkennen, dass der Zins ebenso ein Preis für eine Ware ist, wie z.B. der Preis für ein paar Brötchen oder ein Paar Schuhe. Noch weniger besteht ein Unterschied zu dem Geld, dass ein Mieter seinem Vermieter für die Miete zum Beispiel einer Wohnung oder auch eines Fahrzeugs bezahlt; bei diesem Geld spricht man sogar von Mietzins. Der Zins ist also die Gegenleistung für eine Leistung, die der Darlehensgeber dem Darlehensnehmer gegenüber erbringt. Auch hierbei haben Zinskritiker gelegentlich Verständnisprobleme: “Eine Leistung des Darlehensgebers? Der bekommt doch sein Geld zurück. Was hat der dann geleistet?” Nun, er leistet das gleiche, dass auch ein Vermieter leistet. Er überlässt einen Vermögenswert für eine bestimmte Zeit einem anderen, so dass er diesen Vermögenswert in dieser Zeit selbst nicht nutzen kann, dafür aber der andere. Der Darlehensnehmer kann sich Darlehen beispielsweise eine Sache kaufen, die er ohne das Darlehen erst Monate oder gar Jahre später kaufen könnte (wenn er das Geld dafür angespart hat). Der Darlehensnehmer kann also den Nutzen aus dem Geld bzw. aus der Sache, die er für das Geld kauft, ziehen. Der Zins ist mit anderen Worten der "Kaufpreis"für die zeitlich beschränkte Überlassung eines Vermögenswertes.

Der nächste Denkfehler ist die Vorstellung, der Zins sei Bestandteil aller Preise sämtlicher Güter in einer Volkswirtschaft: “In den Preisen steckt der Zins.” (Seltsamerweise hört man von Zinskritikern nie, dass auch Löhne und Gehälter niedriger sein könnten, wenn es den Zins nicht gäbe. Aber auch Arbeitnehmer nehmen sich Darlehen und zahlen Zinsen!) Selbstverständlich bezahlt ein Unternehmer, der Kreditschulden hat mit dem Geld, das er für seine Leistungen erhält, auch die Zinsen für seinen Kredit. Aber ebenso bezahlt er alles andere, was er für sein Leben braucht. Er bezahlt von diesem Geld unter Umständen sogar die Alimente für seine geschiedene Ehefrau. Hinzu kommt, dass zwei verschiedene Unternehmer, die für die gleiche Ware denselben Preis verlangen, mit dem eingenommenen Geld mit großer Wahrscheinlichkeit ihrerseits völlig unterschiedliche Dinge bezahlen. Der eine von beiden Unternehmern hat möglicherweise überhaupt keine Darlehensverträge, für die er Zinsen zahlen müsste, während der andere stets fleißig auch die Zinsen für sein Darlehen bezahlt.

Damit kommen wir zu dem nächsten Irrglauben, nämlich dem, dass Zinsen die Preise in die Höhe treiben würden. Das letzte Beispiel zeigt, dass der eine Unternehmer den gleichen Preis verlangt, obwohl er überhaupt keine Zinsen bezahlen muss. Die Preise, die sich am Markt bei genügend großer Konkurrenz sowohl auf Anbieter- als auch Abnehmerseite herausbilden, werden nämlich – entgegen verbreiteter Vorstellung – in Wirklichkeit nicht durch die Kosten des Unternehmers bestimmt, sondern durch die Nachfrage. Ein Unternehmer wird seine Preise immer möglichst hoch setzen, ebenso weit, wie er glaubt, dadurch keine erhebliche Nachfrage zu verlieren. Umgekehrt kann es sein, dass die geringe Nachfrage ihn zwingt, seine Preise soweit zu reduzieren, dass er sogar trotz Umsatzes Verluste macht und dadurch beispielsweise seine Zinsen nicht mehr decken kann.

Ein weiteres: Stellen wir uns vor, in einer Volkswirtschaft hätten sämtliche Bürger sowohl 1000 € Darlehensschulden, für die sie Zinsen bezahlen, als auch 1000 € Darlehensforderungen, für die sie exakt jene Zinsen einnehmen, die sie bezahlen. Was spräche in diesem Beispiel unter sozialen oder volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten gegen den Zins?! Der Zins wird erst dann zu einem sozialen und volkswirtschaftlichen Problem, wenn er nur noch von wenigen Bürgern eingenommen, aber von vielen Bürgern bezahlt wird. Dann ist aber das Problem nicht der Zins an sich, sondern die ohnehin äußerst kritische Vermögenskumulation, die ja auch zu unserem Meudalismus geführt hat.

 

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