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Meudalismus
Monopoly

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Wir leben in einem großen Monopoly-Spiel!

(2000)

von
Harald Wozniewski

“Monopoli”
von Klaus Lage

 

Mit freundlicher Genehmigung des Komponisten und Sängers

Spieltipp: Ändern Sie die Spielregeln von Monopoly so, dass jeder Spieler auf Dauer wirtschaftlich überleben kann! Ein Beispiel finden Sie unter [Irrwege/Rentenfrage/Rentenproblem] “Das Finanzierungsproblem der Renten und seine Lösung einmal anschaulich erklärt - mit Monopoly”

Die Zeiten, in denen die Allgemeinheit mit ihrer Hände Arbeit noch nennenswert Geld verdienen konnte, neigen sich dem Ende. “Richtiges Geld” wird - in Deutschland (nach dem “Neuanfang” nach dem Zweiten Weltkrieg) wie in anderen Ländern - schon seit Jahrzehnten nicht mehr mit Arbeit, sondern mit Kapital “gemacht”. Wie unbedeutend Einkommen aus Arbeit (rot) im Vergleich zu Einkommen aus Kapital (blau) sind und wie ungleich die Einkommen und damit das Kapital verteilt sind, zeigt folgendes Diagramm:

Excel-Tabelle und -Diagramm

Und so muss man sich die Verhältnisse heute als Sandhaufen ungefähr vorstellen:

Die grüne Fläche repräsentiert alle deutschen Bundesbürger (als stünden sie dicht beieinander). Die Höhe des Sandes über jedem Punkt repräsentiert das Vermögen jedes Bundesbürgers (analog auch dessen Einkommen). Am breiten grünen Rand zeigt sich die Besitzlosigkeit bzw. Armut. In der Mitte zeigt sich der Reichtum (und das Einkommen aus Kapitalvermögen) der Reichen. Es ist nach der heutigen Rechtsordnung für Privatpersonen eine Vermögensanhäufung völlig unbegrenzt möglich, so dass der Haufen in der Mitte immer höher und der leere Rand immer breiter werden.

Um ein noch einmal deutlich zu machen: Hier geht es nur um das Vermögen und das Einkommen von Privatpersonen (rechtlich ausgedrückt: von natürlichen Personen). Weil alle juristischen Personen (AG, GmbH usw.) sich letztlich in den Händen von Privatpersonen befinden, sind folglich Einkommen und Vermögen von juristischen Personen nebensächlich.

Es ist wie in dem berühmten Spiel Monopoly: Die Einkünfte, die die Spieler erzielen, sind Einkünfte nicht aus Arbeit, sondern aus Kapital (“Miete!”). Zu Beginn des Spiels hat jeder noch die gleiche Chance, gewinnbringendes Kapital zu erwerben. Jeder versucht natürlich die besten Stücke (Parkstraße, Schloßallee usw.) zu ergattern. Sind die einmal vergeben, geht es für den Einen ans Kassieren und für die Anderen ans Zahlen. Wer viel Kapital angesammelt hat, gewinnt ständig Geld dazu, mit dem er immer mehr Kapital anhäufen kann und wird. Die anderen Spieler verlieren nach und nach ihr Kapital, das der Reiche aufgekauft. Die weitere Folge ist, dass den anderen Spielern auch das Geld aus geht.

In Deutschland verdienen die Reichen ihr Geld längst nicht mehr durch Arbeit, sondern durch ihr Kapital. Durch den Besitz von Industrie- und Gewerbebetrieben, aber auch durch den Besitz von Miet- und Pachtobjekten, verdienten nach offiziellen Angaben Angaben der Einkommensteuerstatistik in nur dem einen Jahr 1992 bereits 25.265 Steuerpflichtige über 1 Million DM. Im selben Jahr verdienten 750 Steuerpflichtige sogar im Durchschnitt über 19 Millionen DM. Wie gesagt, nach offiziellen Angaben der Einkommensteuerstatistik. Berechnet man dagegen den „Stundenlohn“, den die 100 reichsten Deutschen 40 Jahre lang haben müssten, um auf ihr heutiges Vermögen zu kommen, so kommt man auf Beträge zwischen 15.000 Euro und 410.000 Euro ([Fakten/Stundenlöhne/2001] “Die Vermögen und ‘Stundenlöhne’ der 100 reichsten Deutschen 2001”)! Ein Jahresgehalt eines normalen Angestellten oder Arbeiters wirkt dagegen wie ein schlechter Witz. Die Reichen zahlen zwar im Schnitt 43 % Einkommensteuer, natürlich nur aus dem steuerbaren Einkommen (Statistisches Bundesamt, Finanzen und Steuern, Fachserie 14, Reihe 7.1, 1992, S. 18 f. sowie S. 26 f. oben lfd. Nrn. 15 - 18). Der Rest nach Steuern wird von den Reichen aber im Wesentlichen nicht verbraucht, sondern - wie in Monopoly - in weiterem Kapital angelegt. Zugleich wächst die Zahl derer, die nichts mehr besitzen, die sich hoch verschulden und die von Sozial- oder Arbeitslosenhilfe leben.

Es ist wie der Nil in der Wüste: Der Fluss ist breit und stark, aber er versorgt nur wenig Land mit Wasser. Daher ist das meiste Land eine Wüste. Würde das Wasser des Nils sich besser über das Land verteilen, wäre das Land insgesamt fruchtbar. Würde sich hier in Deutschland der Geldfluss unter der Bevölkerung besser verteilen, wäre die Wirtschaft gesund. Wie gezeigt, hängt der Geldfluss in privaten Händen heute vor allem vom Einkommen aus Vermögen ab; das Einkommen aus Arbeit ist viel zu gering. Ohne eine gesetzliche Begrenzung der Ressourcen (gewinnbringenden Inlandsvermögen) wird die Krankheit unserer Wirtschaft nicht heilen.

Im Jahr 1995 verdienten die 686 reichsten Steuerpflichtigen (nach Angaben der Einkommensteuerstatistik) bereits im Schnitt über 22,5 Millionen DM (Statistik für 1995, S. 28 f.).

Beispiel:
Johanna Quandt (Link obsolet)

Geschäftsbericht BMW für 2000 (Link obsolet), S. 26: 671.826.000 Aktien, 0,46 Euro Dividende je Aktie, 0,20 Euro Steuergutschrift je Aktie ergibt bei 46% Aktienbesitz 203.966.364,00 Euro Dividende und Steuergutschrift. Hinzu kommt eine Wertsteigerung des Aktiendepots der Stammaktien um 25% im Jahr 2000 (Bericht S. 25). Frau Quandt und ihre Kinder halten sich 93.624 Mitarbeiter (Bericht vor S. 1) x 46% = 43.067 Mitarbeiter von BMW als Diener dieses Geldregens. Sie müssen ihre Diener für ihre Dienste noch nicht einmal bezahlen, weil die mit ihrer Arbeit zugleich selbst für ihr Auskommen sorgen. Es ist gerade so, wie im klassischen Feudalismus: 43.067 Lehensmänner (Pächter) beackern ihre Felder und müssen ihrem Lehensherrn (ihrer Lehensherrin) Abgaben leisten; und der (die) lebt in Sau und Braus.

1995 hatte der Staat (und damit der Steuerzahler) für Sozialhilfe 54,4 Mrd. DM ausgegeben (Quelle: Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland, Ausgabe 1995, Institut der Deutschen Wirtschaft Köln, Tabelle 93). Im selben Jahr verdienten die Steuerpflichtigen mit Einkommen ab 500.000 DM (insgesamt 69.413 Stpfl.) zusammen über 97,2 Mrd. DM. Allein aus den Einkunftssparten Gewerbebetrieb, Kapitalvermögen und Vermietung und Verpachtung verdienten sie fast 65 Mrd. DM. Wäre die Kapitalansammlung in Deutschland begrenzt, so dass sich das diesen Einkünften zu Grunde liegende Vermögen auch “unten” (also bei den Sozialhilfeempfängern) ansammeln würde, so bräuchte der Staat und damit der Steuerzahler keine einzige Mark Sozialhilfe leisten. Den betroffenen Reichen bliebe ohne diese Vermögen immer noch ein Einkommen von (97,2 Mrd. - 54,4 Mrd. =) 42,8 Mrd. DM. Im Schnitt sind das für 1995 (42,8 Mrd. DM / 69.413) rund 616.600 DM. Das soll nicht heißen, dass dieses Vermögen an Sozialhilfeempfänger gehen sollte. Hier geht es nur darum, die Größenordnung der Vermögensanhäufung deutlich zu machen. Wie sich aber eine Vermögensbegrenzung bei den Superreichen bei den rund 30. Mio. übrigen Steuerzahlern auswirken wollte, zeigt folgende Rechnung:

Gäbe es eine Vermögensbegrenzung, die Einkommen von höchstens 616.600 DM jährlich zuließen, so würden sich Kapitaleinkünfte von 54,4 Mrd. DM über die übrige Bevölkerung verteilen. Bei rund 30 Mio. Steuerzahlern wären das unmittelbar über 1.813,- DM mehr Einkommen jährlich. Da nunmehr eine erheblich bessere Einkommensverteilung eingetreten wäre (das Geld fließt nicht mehr wie ein Nil durch die Wüste), würden diese 1.813,- DM zusätzlich zu Beginn eines Jahres zu einer erheblichen Konjunktursteigerung führen. Denn dieses Geld würde im Laufe eines Jahres den Besitzer gut 10 bis 50 Mal häufiger wechseln als in der jetzigen Situation der Einkommenskonzentration bei Wenigen. Somit würden bei 30 Mio. Steuerzahlern aus 1.813,- DM zusätzlichem Einkommen aus Kapital am Jahresanfang im Laufe eines Jahre rund 20.000 DM bis 90.000 DM zusätzliches Einkommen infolge besserer Konjunktur.

Dieses “Spiel” wird in Deutschland (wie in anderen Ländern) mit großen Schritten so weiter gehen, wenn dem die Bevölkerung und die Gesetzgeber nicht eine Grenze setzen. An solch eine Grenze wird zur Zeit aber noch nicht einmal ansatzweise gedacht.

 

Leser seit 11.7.2003:

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