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Meudalismus
Fakten

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Gehören Sie noch zur Mittelschicht*?
Die 25.000-Euro-Frage!

Hierzu auch KIWIFO: Breitgeschichtete Massenkaufkraft - oder: Was heißt hier Mittelschicht?

(Anmerkung Juni 2010: Inzwischen ist es die 32.000-Euro-Frage!)

Mit Stellungnahmen von Bundestagsabgeordneten

Eine Idee der wir.ag
(2008, Ergänzung 2010)

von
Harald Wozniewski

Rapsong
“Wenn das Geld fließt wie der Nil”
von TheSaw & Koohly (2008)

Gehören Sie noch zur Mittelschicht? Wahrscheinlich nicht. Denn nach Untersuchungen über die zu versteuernden Bruttoeinkommen in Deutschland  in [Fakten/Einkommen] “Die Einkommensentwicklung steht Kopf” ist die sogenannte Mittelschicht so gut wie ausgestorben. Aber Sie können das ja einmal ganz leicht selbst überprüfen.

Wenn Sie zur Mittelschicht gehören, dann verfügen Sie unter anderem über eine mittlere Kaufkraft. Kaufkraft ist nichts anderes als Geld, also das, was wir zum Bezahlen benutzen. Geld in diesem Sinne sind also Bargeld und Girokontenguthaben. Kreditkarten und Geldkarten sind nichts anderes als “Sonderposten” zu Girokonten und brauchen nicht extra mitgerechnet zu werden. Also ist eine mittlere Kaufkraft eine mittlere Menge an Bargeld und/oder Girokontenguthaben.

Wie hoch ist nun aber eine mittlere Kaufkraft? Die Deutsche Bundesbank weiß ziemlich genau, wie viel Geld in Deutschland vorhanden ist. Sie nennt die Menge des Geldes, das hier angesprochen ist, die Geldmenge M1. Die Guthaben auf Tagesgeldkonten zählen ebenfalls zu M1. Bei der sogenannten Geldmenge M2 sind außerdem Termin- und Spargelder und bei der Geldmenge M3 weitere geldähnliche Forderungen hinzugerechnet. Wir bleiben aber mal bei M1. Die Deutsche Bundesbank sammelt die ständigen Meldungen der Kreditinstitute hierzu und veröffentlicht ihr Wissen jeden Monat in ihren “Monatsberichten”.  Nach dem neuesten “Monatsbericht März 2008”  betrug die Geldmenge M1 im Januar 2008 960,6 Mrd. €.

Man könnte zur Ermittlung der mittleren Kaufkraft jetzt zwar mit der Bevölkerungszahl in Deutschland rechnen (zuletzt 82.314.900). Es macht aber wenig Sinn, Säuglinge und Kinder mitzurechnen. Rechnen wir daher lieber mit der Zahl der Haushalte in Deutschland. Die liegt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland bei 39.767.000. Die Geldmenge geteilt durch die Zahl der Haushalte ergibt somit die durchschnittliche Kaufkraft pro Haushalt, sie beträgt danach 24.086 €.

Bei diesem Betrag handelt es sich nicht um ein Monats- oder Jahreseinkommen, sondern um das in dieser Sekunde vorhandene Geld. Geld verbrennt ja nicht, wenn man es ausgibt. Es wechselt lediglich den Besitzer. Die mittlere Geldmenge ist wie ein Wasserpegel eines Flusses. Das Einkommen ist das auf den Pegel zufließende Geld, die Ausgaben sind das vom Pegel wegfließende Geld. Das Geld ist aber — wenn man die Volkswirtschaft insgesamt betrachtet — stets vorhanden. Statistisch gesehen verfügt also in dieser Sekunde (Stand: Ende Januar 2008) jeder Haushalt über 24.086 €.

Nun werden Sie einwenden, dass es ja auch Staat, Kommunen und eine Unzahl von Unternehmen (allesamt juristische Personen) gibt, die man nicht einfach unterschlagen könne. Klar gibt es diese juristischen Personen. Aber die gehören ja letztlich irgendwelchen natürlichen Personen, sodass auch das Geld der juristischen Personen letztlich der jeweiligen natürlichen Person gehört — das gilt selbst in Bezug auf Staat und Kommunen. Bei Letzteren ist auch zu bedenken, dass die sich angesichts ihrer erdrückenden Verschuldung ohnehin keine nennenswerten Geldbestände leisten. (Im März 2007 wurde erstmals das “Finanzvermögen des Staatssektors” bekannt gegeben. Vater Staat besaß Ende 2005 ca. 58 Mrd. €, also etwa 1482 € pro Haushalt oder 704 € pro Einwohner, http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2007/p1140061.htm.)

Zählen Sie also einmal in Ihrem Haushalt zusammen: Ihr aktuelles Bargeld und Ihr aktuelles Guthaben (sofern vorhanden) auf Ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto. Kein Sparkonto, kein Termingeld, keine Wertpapiere oder Ähnliches! Wenn Sie ein Unternehmen besitzen, dann zählen Sie auch das Geld dieses Unternehmens hinzu — bei Anteilen an einem Unternehmen nur den auf Sie entfallenden Anteil am Geld! Wenn Sie also zur Mittelschicht gehören, dann verfügt Ihr Haushalt in dieser Sekunde ungefähr über 24.086 € in Form von Bargeld, Girokontoguthaben und/oder Tagesgeld. Wenn Sie (wie etwa 95 % der Bevölkerung in Deutschland) weniger als diesen Betrag haben, dann gehören Sie zu den Verlierern in dieser Gesellschaft. Wenn Sie mehr haben, dann gehören Sie zu den Gewinnern.

Sie haben bestimmt schon von der Definition gehört oder gelesen, wonach “relative Armut” vorliege, wenn das Einkommen geringer als die Hälfte des Durchschnittseinkommens in dem betreffenden Land sei ( http://de.wikipedia.org/wiki/Armut#Relative_Armut ).  In Anlehnung an diese Definition gehören Sie zu den Armen in Deutschland, wenn Ihr Haushalt im Moment weniger als 12.000 € Geld hat.

Natürlich muss so viel Geld nicht unbedingt in jeder Sekunde in ihrem Besitz sein. Sie sollten es aber wenigstens im Monats- oder Jahresdurchschnitt  besitzen, also z. B. am Monatsanfang 48.000 €, in der Monatsmitte noch 24.000 € und am Monatsende 0 €. Dann gehören Sie – unter dem Gesichtspunkt der Kaufkraft – tatsächlich zur Mittelschicht.

Wenn Sie Termin- und Spargelder mitrechnen wollen, dann müssen wir nach der Geldmenge M3 schauen. Die lag im Januar 2008 bei 2.039,3 Mrd. €, sodass der mittlere Betrag pro Haushalt bei 51.281 € liegt.

Übrigens haben seit Ende der 1960er Jahre wenigstens 95% der Bevölkerung permanent an absoluter (geldmengenbereinigter) Kaufkraft verloren. Die Einkommensteuerstatistiken zeigen bei anhand der zu versteuernden Einkünfte – also völlig unabhängig von Steuern und “Staatsquote” – dass über 95% der Steuerzahler mit dem Geldmengenwachstum in Deutschland nicht Schritthalten konnten. Gemessen an der Geldmenge sind deren Bruttoeinkommen von z. B. 1974 bis 1998 um fast 70% gefallen ([Fakten/Einkommen] “Die Einkommensentwicklung steht Kopf” unter 3)!  Nur wenige Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben mit dem Geldmengenwachstum mitgehalten (echte Mittelschicht), während wenige Tausend Menschen in Deutschland (Oberschicht) sich vor Geld kaum noch retten können und gar nicht wissen, wie sie es noch ausgeben sollen.

Das schrieb Ludwig Erhard 1957 in Wohlstand für alle, S. 7 zu dieser Frage:

    “... So wollte ich jeden Zweifel beseitigt wissen, daß ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand da der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.

    Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet. Die Neugestaltung unserer Wirtschaftsordnung musste also die Voraussetzungen dafür schaffen, daß dieser einer fortschrittlichen Entwicklung entgegenstehende Zustand und damit zugleich auch endlich das Ressentiment zwischen ‘arm' und ‘reich' überwunden werden konnten. Ich habe keinerlei Anlaß, weder die materielle noch die sittliche Grundlage meiner Bemühungen mittlerweile zu verleugnen. Sie bestimmt heute wie damals mein Denken und Handeln.”

Bundestagsabgeordnete zu diesen Sätzen von Ludwig Erhard:

Lesen Sie hierzu auch:


* Falls Sie sich (insgeheim) zur Oberschicht zählen:

    Sie sollten wenigstens das 1,5-fache der hier genannten Geldbeträge von M1 und M3 besitzen.


Ergänzung 2010:

Die Südwestpresse scheibt heute unter dem Titel "Die Mittelschicht wird immer kleiner" (http://www.swp.de/muensingen/nachrichten/politik/art4306,458982) eine der üblichen Falschinformationen über die aktuelle Größe der Mittelschicht in Deutschland. Der Fehler entsteht durch die Ermittlung der Mittelschicht anhand des Einkommens oder des Vermögens.

Wer Mittelschicht sein will, muss - wie oben dargelegt - auch eine mittlere Kaufkraft besitzen. Alles andere ist Augenwischerei. Die Höhe des "mittleren" Einkommens wird üblicherweise als Median berechnet und ist daher viel zu niedrig. Und die Einkommen der Superreichen werden von den Statistikämtern überhaupt nicht ermittelt, werden also gar nicht mitgerechnet. Über die Höhe des Vermögens weiß keiner richtig Bescheid - auch nicht das Statistische Bundesamt.

Die einzig verlässliche Größe, um die Mittelschicht zu definieren, ist die Kaufkraft, das heißt der Besitz von Geld. Die Geldmenge in Deutschland ist der Deutschen Bundesbank bis auf einige Euro genau bekannt, weshalb eine mittlere Geldmenge pro Kopf oder besser pro Haushalt leicht zu berechnen ist.

Im Folgenden möchte ich noch kurz zeigen, wie irreführend die Berechnung nach Medianen sich auswirkt. Dazu bediene ich mich der Diagramme aus [Modelle/Der Nil] “Wenn das Geld fließt wie der Nil in der Wüste”, wobei hier jetzt nicht die Geldverteilung, sondern - entsprechend der Orientierung am Einkommen - die Verteilung des Volkseinkommens eines Jahres dargestellt sei.

Zunächst die idealistische Verteilung - jeder hat das gleiche Einkommen:

nil01m

Da jeder das Jahreseinkommen 1,0 hat, liegt der Mittelwert auch bei 1,0. Das Gesamtvolumen aller Einkommen beträgt 100 x 1,0 = 100,0.

Der Median ist das Einkommen des Bürgers, der genau zwischen 50% Bürger mit weniger Einkommen und 50% Bürger mit mehr Einkommen steht. Hier im Diagramm ist der Median ebenfalls 1,0.

Im folgenden Diagramm, das übrigens nicht dem o. g. Nilmodell entstammt, steigt die “Kurve” der Einkommensverteilung linear an:

nil03m

Auch hier sind Mittelwert und Median identisch: 1,0. Die Rechnung mit Median wäre auch hier in Ordnung.

Wir haben aber eine Einkommensverteilung, die eher dem Nilmodell zur Geldverteilung entspricht, so dass wir uns wieder dieser Diagramme bedienen wollen. Dies ist freilich nicht die Verteilung heute, sondern eine aus einem früheren Stadium, vielleicht dem der 1960er Jahre:

nil05m

Nun sehen Sie, der Mittelwert ist immer noch bei 1,0. Denn das Gesamtvolumen ist immer noch 100,0. Aber der Media ist auf ca. 0,2 gesunken! Das ist ein gewaltiger Unterschied zu 1,0. Wenn in der Südwestpresse ein mittleres Einkommen mit nur (!) 50.000 bis 70.000 € angegeben wird, dann nur deshalb, weil der Median angeführt wird, bei dem auch noch die höchsten Einkommen nicht mitberechnet wurden.

Wie gesagt: der Einkommensmedian ist kein ehrliches Maß, um die Mittelschicht zu bestimmen.

 

Leser seit 7.2.2008:

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